Die weisse Hexe im Moor

Im tiefen, nebelverhangenen Moor im Oberpfälzer Wald lebte eine weiße Hexe, deren Name im Flüstern der Winde verloren ging. Ihre Gestalt war so blass wie der Mond, und ihre Augen glühten wie gespenstische Irrlichter. Seit Jahrhunderten durchstreifte sie das Moor, das sie wie eine stille Wächterin beherrschte. Sie verbarg sich in den Schatten, ihre Schritte lautlos, und wartete darauf, dass Wanderer sich zu tief ins Moor wagten.

Eines kalten Herbstabends verirrte sich ein junger Mann auf einem schmalen Pfad, den Nebel eng um ihn geschlungen. Als das letzte Licht des Tages erlosch, tauchte die Hexe vor ihm auf, so plötzlich, dass er den Atem anhielt. Ihre Stimme war süß und sanft, doch ein eisiges Flüstern hing in der Luft. „Warum bist du hierhergekommen?“ fragte sie, während ihre schmalen Finger ihn zu sich winkten.

Der Wanderer, hypnotisiert von ihrem Anblick, antwortete kaum, sondern trat wie im Traum näher. Die Hexe lächelte leise, denn sie wusste, dass er bereits dem Moor verfallen war. Sie versprach ihm den Weg hinaus, wenn er ihr ein Geheimnis aus seinem Herzen verriet. Doch jeder, der ihr folgte, verblasste bald wie der Nebel. Manche sagen, er wandere noch immer durch das Moor, als verlorener Schatten, den Ruf der weißen Hexe in seinen Ohren, die den einsamen und leichtgläubigen Seelen auflauert.

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Wie schwer ist die Luft über mir?

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Der dunkle Fotoautomat